Reimport-Waren: chancenlos am deutschen Markt!

Symbolfoto zum Thema Reimporte

Foto: flickr.com

Flat-TVs aus dem Reimport finden immer öfters ihren Weg in deutsche Wohnzimmer. Sind ja auch so herrlich billig! Jedoch kommt der günstige Preis nicht von ungefähr. Und auf das traumhafte Schnäppchen, folgt oft das böse Erwachen.

Es klingt nach einem guten Geschäft für alle Beteiligten: Händler importieren Fernseher aus Niedrigpreisländern (z.B. aus Osteuropa) nach Deutschland, um sie hier günstiger als marktüblich anzubieten. Der Haken an der Sache: Die Waren unterscheiden sich nicht nur im Preis! Wir sagen euch, worauf ihr achten müsst.

Qualität nach deutschen Maßstäben?

Ein Sharp ist ein Sharp. Ein LG ist ein LG. Ein Samsung ist ein Samsung. Stimmt… nicht ganz. Die unterschiedlichen Modelle werden dem jeweiligen Markt angepasst, auch was die Qualität betrifft. Deutsche Kunden sind dafür bekannt, dass für sie hochwertige Verarbeitung einen extrem wichtigen Stellenwert hat. Daher werden Geräte, die in unser Land kommen, oft nachhaltiger kontrolliert, als Produkte, die für einen anderen Markt bestimmt sind. Wer seinen Fernseher aus einem Reimport-Fundus bezieht, kann sich also nie sicher sein, auch tatsächlich die Qualität zu bekommen, die er als deutscher Kunde gewohnt ist.

Fragwürdige Garantieleistung bei Reimport

Was tun, wenn der Fernseher Probleme macht? Die meisten Hersteller bieten ihren Käufern in Deutschland einen „Vor-Ort Service“ an: Ein Fachmann kommt vorbei, entweder um das Gerät gleich zu reparieren oder um es zur Fehlerbehebung mitzunehmen (inklusive fachgerechtem Hin- und Rücktransport). Egal wie: Es geht meist schnell, einfach – und  sogar gratis, sofern der Schadensfalls noch während der Garantiezeit aufgetreten ist. Anders bei Reimporten: Zwar gibt es auch hier die üblichen 2 Jahre Garantie, aber Anspruch auf einen „Vor-Ort-Service“ hat man nicht (Achtung! Der Hersteller kann über die Seriennummer sehr leicht herausfinden, ob dein Fernseher für den deutschen Markt bestimmt war, oder nicht!). Käufer von Reimport-Waren können nur auf Kulanz vom Hersteller hoffen. Spielen Samsung & Co. nicht mit, muss man den Flat-TV selbst an seinen Importhändler schicken, damit der ihn wiederum ins „Geräte-Heimatland“ verfrachten kann. Das alles noch einmal retour, macht insgesamt 4 Versandwege. Alles andere, als gesund für ein Highend-TV-Gerät (abgesehen davon dass es länger dauert…). Service-Odyseen von bis zu 10 Wochen sind hier keine Seltenheit.

Abweichender Lieferumfang

Hinzu kommt, das die Hersteller den für Deutschland bestimmten Modellen oft einen umfangreicheren Lieferumfang spendieren, als den EU-Geschwistergeräten. Ein in der Branche gemeinhin bekannter „Brüller“ aus 2012 sind z.B Samsung und LG Smart TV. Je nach Modell legt Samsung seinen TV Geräten bis zu 4 Stück 3D Shutterbrillen bei, bei LG sind es in der Regel -je nach Modell- sogar 7 Stück Polarisationsbrillen. Bei den Samsung 7090 und 8090 Modellen wurden uns Fälle bekannt, bei denen ein in  Deutschland mitgelieferter IR- Blaster (ist zum bedienen von Geräten in geschlossenen Schränken) bei den Importgerten gänzlich fehlte. Auch div. Zweitfernbedienungen fehlen bei Importgeräten gerne mal oder sind abgespeckt. Da sollte man das Kleingedruckte (insofern bei Importangeboten überhaupt angegeben) schon mal ganz genau durchforsten. Den deutschen Lieferumfang können sie jedenfalls in der Regel den Webseiten der Hersteller entnehmen. Kauft man das alles separat wieder hinzu, geht von der vermeindlichen Ersparniss gleich wieder ordentlich was runter.

Versteht dich dein Fernseher?

Kommen wir nun zu einem Nachteil, der von Importhändlern (wenn überhaupt) gern mit  „eingeschränkte Multimediafunktionen“ umschrieben wird. Ein Problem, das immer größer wird, je smarter unsere Geräte werden. Konkret bedeutet es, dass gewisse Software-Features in Deutschland nicht genützt werden können, weil sie länderspezifisch zugeordnet sind. Oder: dass Apps fehlen, die speziell für den deutschen Markt entwickelt wurden. Oder: dass es gar nicht möglich ist, „Deutsch“ als Menüsprache auszuwählen. Auch blöd irgendwie. Da kauft man sich ein Premium-TV-Gerät und kann es nicht einmal richtig bedienen (Dafür hat man endlich mal Gelegenheit seine Albanisch-Kenntnisse aufzufrischen…). Uns bekannte Fälle sind hier z.B. fehlendes oder eingeschränktes Hbb-Hybrid TV (Samsung, LG, Panasonic), eine nicht installierbare Skype-App bei LG, ein nicht freigeschaltetes USB-Cloning bei Sharp usw… Probleme mit dem EPG (Länderspezifisches Feature) sind an der Tagesordnung.

Woran kann ich EU-Importe erkennen?

Im besten Fall daran, das der Importeur der betreffenden Geräte die Nase voll hat von all seinen Anfragen und es direkt im Angebot erwähnt. Das ist aber meist nicht der Fall. Im Zweifelsfall kann Ihnen der DE-Vertrieb der Herstellers fundierte Auskunft geben.

Was tun die Hersteller?

Sie sind wegen der Importproblematik vermehrt dazu übergegangen Ihnen als Kunden Unterscheidungsmerkmale zu signalisieren. So benennt Samsung Geräte Länderspezifisch. So heist ein deutscher Smart TV  Type UE55F8090 in Ost-EU Ländern UE55F8000, in anderen 8020 usw…  Hersteller LG (in 2013 sehr stark von dieser Problematik betroffen) ließ jüngst verlauten, das ab 2014 alle Deutschen Modelle andere Typen und gewisse Vorzüge bekommen werden. Andere gehen vermehrt dazu über, an den Verpackungen Sticker mit der Beschriftung „Not for Export Sales“ anzubringen (da diese in der Regel entfernt werden, kann die wirksamkeit dieser Maßnahme aber bezweifelt werden). Wirkungsvoll sind dagegen Premiumleistungen der Hersteller für den Erwerb von autorisierten Seriennummern. So bietet Sharp gegen Registerierung der Seriennummer eine kostenlose Garantierwerweitung auf 3 Jahre an. Der Käufer eines Denon Gerätes darf sich im „Denon Owners Club“ ebenfalls über eine kostenlose 3 Jährige Garantie freuen. Genauso wie bei Marantz im Premiumsegment. Elac krönt seine Käufer sogar mit 10 Jahren (!) Garantie. Die Hersteller lassen sich die Maßnahmen also richtig was kosten. So erhielten Samsung Smart-TV Käufer in 2012 und 2013 in mehrmonatigen Aktionszeiträumen nicht geringeres als Galaxy Tablets und Phones for Free! Panasonic kommt immer wieder mit Cash-Back Aktionen von mehreren 100 €. Und das alles kostenlos gegen Registrierung Ihrer (hoffentlich) Deutschen Seriennummer. Wer hier ein Importgerät hat, wird Gnadenlos scheitern!

Unser Tipp: So verlockend Reimport-Angebote auch sind – genau hinsehen! Erspart so manche Enttäuschungen… und gespart ist ganz unter dem Strich auch nicht wirklich.





23. Mai 2013 von Franziska
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