High Res Audio – die Alternative zur CD?

Haben Sie schon von „High Resolution Audio“ zu deutsch „Hochauflösender Ton“ gehört?

Wissen Sie, was High Res Audio ist und was am man beachten muss? Wissen Sie wie es klingt? Wir vom HIFI COMPONENTS-Team finden das Thema äußerst interessant und  möchten Ihnen dieses gerne genauer erläutern.

Wo fange ich beim Thema High Res Audio am besten an? Vielleicht bei der CD.

Auf eine CD passen ca. 900MB oder 100 Minuten Musik. Die passen da aber nur drauf, mal abgesehen von MP3, weil die Musik mit einer Abtastfrequenz von 44,1kHz und einer Bittiefe von 16 Bit abgespeichert ist. Diese Werte sind in der heutigen Zeit in Studios aber nicht mehr zeitgemäß. Hier arbeitet man meistens mit 88,2 eher aber mit 98kHz Abtastfrequenz und einer Bittiefe von 24 Bit. Was bedeutet das jetzt konkret? Es bedeutet, dass die Musik welche im Studio produziert wurde, in einer gewissen Art und Weise komprimiert wird, damit diese auf eine CD passt. Ein anschauliches Beispiel hierzu:

  • 1 Minute MONO in CD-Qualität benötigt ca. 5,29 Mbyte
  • 1 Minute MONO in Studio-Qualität benötigt ca. 17,64 Mbyte

Das Problem ist, dass das heruntersampeln auf 44,1kHz und 16 Bit irreversibel ist, somit kann daraus nie mehr die Originaldatei erstellt werden. Wer also wissen möchte, wie die Musik klingt, wie Sie der Tonmeister gehört hat, muss also auf diese High Res-Files zurückgreifen.

Aber was bewirken diese höheren Zahlen eigentlich?
Dafür muss man verstehen, wie die Musik in den Rechner kommt. Geht man von Schallquellen aus, die einen Ton produzieren ist dieses Signal erst einmal analog (Stimme, Gitarre, Geige usw). Der Rechner und auch ein CD-Spieler verstehen aber nur digital. Also muss das analoge Signal in ein digitales umgewandelt werden. Das geschieht über Interfaces oder Soundkarten – dort sitzt ein Analog/Digital-Wandler, der eine PCM anwendet. Die Abtastfrequenz gibt die Anzahl an, wie häufig ein analoges Signal pro Sekunde abgetastet wird. Je höher die Frequenz umso genauer der Scan. Die Bittiefe gibt an, wie groß der Dynamikumfang des Scans ist. Ist dieser zu klein werden Dynamikspitzen einfach abgeschnitten, da hier das analoge Signal übersteuert.

Stellen sich nun die Fragen:

  • Woher bekomme ich diese Files?
  • Worauf muss ich achten?
  • Was brauche ich um sie wiederzugeben?

Woher? Die Frage lässt sich ziemlich leicht beantworten – im Internet. Die Seiten, welche wir gut finden sind: HDTracks gegründet von David und Norman Chesky von Chesky Record, bieten eine Vielzahl an unterschiedlichen Genres in unterschiedlichen Formaten an. Channel Classics Record bieten, wie der Name schon deuten lässt, hauptsächlich klassische Werke an. Und dann wäre da noch highresaudio, welche auch wie HDTracks eine Vielzahl an Genres anbieten, jedoch meist in einer geringen Formatauswahl.

Worauf muss ich achten?
Im oberen Absatz fiel das Wort Format. In erster Linie müssen Sie kontrollieren, ob Sie einen Player haben, der das Format abspielen kann. Die wichtigsten Formate dürften wohl:

  • FLAC der Free Lossless Audio Codec ist wohl der beliebteste Codec, wenn es darum geht seine Musik verlustfrei und platzsparend auf einer Festplatte unterzubringen.
  • ALAC oder auch Apple Lossless, dürfte wohl für alle die bequemste Lösung sein, die Geräte von der Firma aus Cupertino nutzen. Besonderer Vorteil dürfte sein, dass es äußerst unkompliziert ist und sich mit Itunes und AirPlay recht einfach verwalten und streamen lässt.
  • AIFF ist das Pendant zu WAVE. Beide speichern die Daten unkomprimiert und verlustfrei ab, erzeugen dadurch aber größere Dateien als FLAC oder ALAC.

Nachdem die Formatfrage geklärt ist, folgt nun diese Frage:

Wie bekomme ich High Res Audio zu meinem Verstärker und meinen Boxen?

Ein Möglichkeit wäre, die Daten direkt vom Rechner zur Anlage zu übertragen. Benötigt hierfür wird eine Soundkarte oder ein externes Gerät sog. DAC welches einen D/A-Wandler besitzt, der die hochauflösenden Digitalfiles verarbeiten kann und dann über den Verstärker zu den Boxen sendet. Heutige Onboard-Soundkarten können ohne Probleme 24bit und 98khz verarbeiten, es ist aber anzuraten es über externe Geräte zu machen, da das Mainboard bereits mit allerlei „dreckigem“ Strom „verseucht“ ist. Milliarden von kleinen Transistoren und das Schaltnetzgerät sind eben nicht frei von Störfrequenzen. Zum Glück gibt es Alternativen, wenn das Mainboard einen Digitalausgang hat sollte man diesen verwenden. Hier spielt wieder die Frage eine Rolle: optisch oder Coax?

Uff – ich merke gerade, dass es doch etwas komplexer wird. Ich hoffe, Sie sind noch da :).

Also, weiter im Text. Optisch hat es den Vorteil, dass man eine komplette galvanische Trennung zwischen Rechner und D/A-Wandler hat. Einige Stimmen im Netz sagen der coaxialen Verbindung jedoch eine bessere Abstimmung des Timings zwischen Rechner und Wandler nach, wodurch ein geringer Jitter entsteht. Hier gilt wohl die Devise, selber ausprobieren und vergleichen. Wenn man den Jitter noch geringer halten möchte, dann ist die beste Möglichkeit sich einen D/A-Wandler zu suchen der über sog. Asynchrones USB verfügt. Ein D/A-Wandler welchen diesen anbietet wäre zum Beispiel Arcams neuer irDAC.

So hätte sich also die Frage nach dem Wandler geklärt. Der alleine macht aber nicht die Musik! Schon gar nicht High Res. Es muss auf dem PC oder MAC ein Programm installiert sein, welches noch die Formate unterstützt. Für Mac-User dürfte hier wohl am ehesten Amarra in Frage kommen. Die Software ist in unterschiedlichen Ausführungen erhältlich und richtet sich je nach Bedürfnissen und Geldbeutel. Es scheint für Mac die einzige Möglichkeit zu sein Itunes und Flac zu kombinieren. Alle anderen Lösungsvorschläge sehen entweder die Umkonvertierung von FLAC in ALAC vor oder die Verwendung eines anderen Players wie z.B. VLC vor. Ist halt nicht so schön wie iTunes.
Windows-User haben es in dem Fall etwas leichter. Die greifen am besten zu Foobar2000 – die Software ist kostenlos und kann mit allerlei Plugins perfekt angepasst werden. Wer gerne experimentieren will und sich einen 100%igen Musik-PC erstellen will, dem empfehle ich, sich mal die Seite von cmp² anzusehen. Hier wird alles, was nicht für die Musikwiedergabe benötigt wird, einfach abgeschaltet.
Wer noch mit Windows XP oder Vista hantiert, wird hier auf Stimmen treffen die Sagen, dass man hierfür noch so Dinge braucht wie ASIO4ALL oder BitStream. Ganz einfach aus dem Grund, weil diese Systeme nicht zu 100% nur für die reine Musikwiedergabe gedacht sind. Dank Foobar gibt es aber die passenden Plug-Ins wie Kernel Streaming support 1.2.2 oder ASIO support 2.1.2.
Ich habe bei meiner Suche auch noch die Software JPlay gefunden. Sie ist das Windows-Pendant zu Amarra. Die Software integriert sich wie Amarra in den Player (wie Foobar) und optimiert die Ausgabe.

Also kurz zusammen gefasst: Abspielsoftware passend zu Formaten und Betriebssystem auswählen. D/A-Wandler passend zu vorhandenen oder gewünschten Anschlüssen aussuchen. Hochauflösende Files (High Res Audio-Files) aus dem Internet kaufen und herunterladen. Abspielen. Genießen. Ganz einfach also! 🙂

Das wäre eine Möglichkeit in den Genuss von High Res Audio zu kommen. Es gibt aber noch anderen Varianten, die sich eigentlich nur noch in der Wahl der Komponenten unterscheiden.

High Res Audio Wiedergabe über AV-Receiver

Den AV-Receiver als externen D/A-Wandler nutzen. Viele AV-Receiver bieten die Unterstützung von hochauflösenden Files an. Samplingraten von 98kHz und 24 Bit sind meistens kein Problem. Der Anschluss erfolgt dann über die digitalen Eingänge (wenn vorhanden). Zum Beispiel den DenonAVR-3313 können Sie entweder coaxial oder optisch ansteuern. Der interne DAC unterstützt die Wiedergabe von 24-Bit/192 kHz. Man verbindet also den Rechner per Digitalkabel mit dem AV-Receiver und spielt die Daten dann über den Computer ab.

Bleiben wir beim Denon AVR-3313 so bietet dieser noch weitere Möglichkeiten hochauflösende Files wiederzugeben.
Per Netzwerkfestplatte sog. NAS oder direkt über USB, wobei zu beachten ist welche Files und Formate über diese Zuspielung erkannt werden. Im Falle 3313:

Über NAS:

  • Streaming von 24-Bit / 96kHz 2-Kanal-Apple Lossless und 24-Bit / 192 kHz 2-Kanal-WAV- und FLAC-Dateien vom DLNA-Server
  • Gapless-Unterstützung (für FLAC/WAV bis 24-Bit/192kHz)

Per USB: Hierbei muss man das Handbuch durchforsten bis man an die passenden Informationen gelangt:

Kompatible Formate
Abtastfrequenz Bitrate Erweiterung
WMA (Windows Media Audio) 32/44,1/48 kHz 48 – 192 KBit/s .wma
MP3 (MPEG-1 Audio Layer-3) 32/44,1/48 kHz 32 – 320 KBit/s .mp3
WAV 32/44,1/48 kHz – .wav
MPEG-4 AAC 32/44,1/48 kHz 16 – 320 KBit/s .aac/.m4a/ .mp4
FLAC (Free Lossless Audio Codec) 32/44,1/48/88,2/96 kHz – .flac

 

Handbuch Wiedergabe von USBMan muss also auch hier immer darauf achten: welches Format hat mein File, was kann mein Gerät, welchen Eingang nutze ich?

Wir versuchen zukünftig diese Informationen direkt in die Produktbeschreibung in unserem Shop zu vermerken.

Wiedergabe von High Res Audio-Files über Netzwerkplayer

Hierbei wird ein Rechner nur bedingt benötigt, denn ein Netzwerkplayer greift in der Regel wie auch der AV-Receiver auf Inhalte zurück, die auf einer NAS abgespeichert sind. Auch hier gilt welche Formate will ich abspielen? Was kann mein Player ausgeben?

Zum Beispiel der Netzwerkplayer  T-4070 von Onkyo unterstützt folgende Formate:

■WAV (.wav or .WAV)
WAV files contain uncompressed PCM digital audio.
•Sampling rates of 8 kHz, 11.025 kHz, 12 kHz, 16 kHz, 22.05 kHz, 24 kHz, 32 kHz, 44.1 kHz, 48 kHz, 64 kHz, 88.2 kHz, and 96 kHz are supported.
•Quantization bit: 8 bit, 16 bit, 24 bit
■AAC
(.aac/.m4a/.mp4/.3gp/.3g2/.AAC/.M4A/.MP4/ .3GP or .3G2) AAC stands for MPEG-2/MPEG-4 Audio.
•Sampling rates of 8 kHz, 11.025 kHz, 12 kHz, 16 kHz, 22.05 kHz, 24 kHz, 32 kHz, 44.1 kHz, 48 kHz, 64 kHz, 88.2 kHz, 96 kHz and bitrates of between 8 kbps and 320 kbps are supported.
■FLAC (.flac or .FLAC)
FLAC is a file format for lossless audio data compression.
•Sampling rates of 8 kHz, 11.025 kHz, 12 kHz, 16 kHz, 22.05 kHz, 24 kHz, 32 kHz, 44.1 kHz, 48 kHz, 64 kHz, 88.2 kHz, and 96 kHz are supported.
•Quantization bit: 8 bit, 16 bit, 24 bit
■LPCM (Linear PCM)
•Sampling rates of 8 kHz, 11.025 kHz, 12 kHz, 16 kHz, 22.05 kHz, 24 kHz, 32 kHz, 44.1 kHz, 48 kHz, 64 kHz, 88.2 kHz, and 96 kHz are supported.
•Quantization bit: 8 bit, 16 bit, 24 bit
* Only for playback via network.

Aber dieses Beispiel zeigt, dass man aufpassen muss wie ein Haftelmacher und genau suchen muss, um nicht im Nachhinein enttäuscht zu werden (übrigens die verlustbehafteten Formate wie MP3 oder WMA habe ich weggelassen).

In unserem Shop finden Sie aktuell den Netzwerkplayer von DENON DNP-720 unter dem Punkt Netzwerk-Audio ließt man folgendes:
Dateispezifikationen für die Wiedergabe
Abtastfrequenz Bitrate Erweiterung
WAV 32/44,1/48 kHz – .wav
MPEG-4 AAC 32/44,1/48 kHz 16 – 320 kbps. aac/.m4a/.mp4
FLAC (Free Lossless Audio Codec) 32/44,1/48/88,2/96 kHz– .flac

Das wären somit die gängigsten Varianten. Natürlich gibt es noch weitere, aber dann würde ich nicht mehr fertig werden. Als letztes Beispiel, wenn Ihr Player oder Receiver einen Netzwerkanschluss, einen Digital-Eingang oder eine USB-Schnittstelle besitzt, lohnt sich der Blick in die Handbücher. Zum Beispiel könnte man Marantz Bluray-Player UD5007 als wahren Universal-Player bezeichnen. Nicht nur Super Audio CD / Blu-ray-Player, sondern auch folgende Formate lassen sich über USB und Netzwerkanschluss analog wiedergeben.

Abspielbare Dateien:
MP3
• Abtastfrequenz: 32 / 44,1 / 48 kHz
• Bitrate: 64 kBit/s bis 320 kBit/s
• Audiotyp: MPEG1 Audio Layer 3
WMA
• Abtastfrequenz: 32 / 44,1 / 48 kHz
• Bitrate: 48 kBit/s bis 192 kBit/s
• Audiotyp: WMA ver. 9
AAC
• Abtastfrequenz: 32 / 44,1 / 48 kHz
• Bitrate: 32 kBit/s bis 320 kBit/s
• Audiotyp: MPEG4, AAC
LPCM
• Abtastfrequenz: 44,1 / 48 kHz
• Anzahl der Bits: 16 Bits
• Anzahl der Kanäle: 2 Kanäle
FLAC
• Abtastfrequenz: 32 / 44,1 / 48 / 88,2 / 96 / 176,4 / 192 kHz
• Bitrate: 64 kBit/s bis 16,2 kBit/s
• Anzahl der Bits: 8 / 16 / 24 Bits

So jetzt ist aber genug. Ich hoffe, ich konnte Ihnen das Thema High Res Audio etwas näher bringen und hoffe, dass Sie bald mal den Versuch starten und vergleichen, was nun besser klingt. Natürlich versuche ich alle Fragen, die Sie noch zu dem Thema haben, zu beantworten.  Freue mich selbstverständlich über Kommentare und Feedback zu diesen High Res Audio Artikel.

Mit freundlichen Grüßen

Der Hifi-Geek





26. April 2013 von HIFI-Geek
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